Interkultureller Austausch
Regelmäßig organisieren wir Workcamps in Nairobi, um aktiv an der Projektarbeit teilzunehmen. Vor allem ermöglichen wir auf diese Weise den Kontakt und Austausch zwischen jungen Kenianern und Deutschen. Vor Ort arbeiten wir in den bestehenden Angeboten des Projekts mit, bieten jedoch auch eigene Kurse und Workshops an,
Workcamp 2010 in Nairobi
Unser Workcamp des Simama e.V. in 2010 hat mit zehn TeilnehmerInnen vom 25. Juli 2010 bis zum 23. August 2010 in Nairobi stattgefunden.
Der Hauptprojektpartner war die im Mukuru Slum aktive Organisation MSDP (Mukuru Slum Development Projects) mit seinen verschiedenen Departments „Social Support“, „Children and Youth“ und „Skills Center“. Darüber hinaus haben wir auch noch mit den etwas jüngeren Initiativen selbstorganisierter Jugendlicher zusammengearbeitet, die von Absolventen der MSDP-Programme gegründet wurden, der „Wajukuu“-Gruppe und dem „Rekebisho“-Center.
In der ersten Woche haben sich die TeilnehmerInnen der Simama-Gruppe zunächst auf die verschiedenen Departments des MSDP aufgeteilt und dort in den Projekten mitgeholfen beziehungsweise eigene Workshops angeboten.
In den darauffolgenden Wochen kam dann noch die Zusammenarbeit mit den Projekten Wajukuu und Rekebisho dazu. Folgende Aktivitäten wurden in den einzelnen Departments/Projekten durchgeführt:
Social Support
Das Social Support Department des MSDP richtet sich in erster Linie an zum großteil HIV-positive Frauen, die in schwierigen Lebenssituationen im Slum leben. Sie werden durch Hausbesuche von Sozialarbeitern und zum Teil auch finanziell unterstützt und nehmen darüber hinaus an Aktivitäten wie der Herstellung von Batik-Stoffen und Stofftaschen sowie Schmuck teil, welche dann verkauft werden können. TeilnehmerInnen unserer Gruppe haben sowohl an den Hausbesuchen als auch an den Aktivitäten teilgenommen und darüber hinaus noch einen eigenen Workshop zum Thema Stricken und Häkeln angeboten, bei dem Strick- und Häkeltechniken vermittelt und ausgetauscht wurden. Neu eingeführt wurde hier vor allem das Häkeln aus zuvor in Streifen zerschnittenen Plastiktüten.
Children and Youth
Zum Children and Youth Department des MSDP gehört das „Halfway House“. Hier werden Straßenkinder oder auch Kinder aus schwierigen Familiensituationen für eine begrenzte Zeit von etwa neun Monaten untergebracht um ihnen eine neue Lebensperspektive zu geben und sie auf den Schulbesuch vorzubereiten, während über Arbeit mit den Eltern oder Verwandten versucht wird ihre Familiensituation zu verbessern. TeilnehmerInnen der Simama-Gruppe haben hier verschiedene Aktivitäten und Workshops mit den Kindern durchgeführt:
Musikworkshops, bei denen die Kinder an den Umgang mit einfachen Rhythmus-Instrumenten herangef¸hrt wurden und gemeinsam musizierten
Gruppenspiele zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und des Zusammenhalts die Bemalung der Aussenfassade des Halfway Houses zusammen mit den Kindern sowie ebenfalls in Zusammenarbeit mit Künstlern des Wajukuu-Projektes und Kindern aus der dortigen Kindergruppe.
Skills Center
Das Skills Center des MSDP ist eine Ausbildungsstätte im Slum, an der Jugendliche zwei Jahre lang in verschiedenen Fachrichtungen ausgebildet werden. Zur Auswahl stehen Hairdressing, Catering, Kunst und Handwerk (MAC) oder Bautechnik. TeilnehmerInnen unserer Simama-Gruppe haben dort folgende Aktivitäten und Workshops mit den Jugendlichen durchgeführt:
Workshops zur Herstellung von Sprühschablonen und deren Verwendung zum Bedrucken von T-Shirts wurden mit beiden Jahrgängen des MAC-Projektes (Mukuru Arts and Crafts/Kunst und Handwerk) durchgeführt.
Workshops zur Herstellung von Skulpturen aus Papiermache wurden ebenfalls mit den MAC-Klassen durchgeführt zusammen mit dem Lehrer und Schülern der Bautechnik Klassen wurde für die Küche des Skills Center eine Biogas-Anlage gebaut. Die Küchenabfälle, die beim täglichen Kochen für alle Schüler und Lehrer des Skills Center anfallen, können in dieser Biogasanlage wiederum brennbares Gas erzeugen, welches dann zum kochen verwendet wird um Holz und Kohle zu sparen und Abfall zu vermeiden.
Wajukuu Art Project
Das Wajukuu Art Project ist ein selbstverwaltetes Projekt von Jugendlichen im Mukuru Slum. Sie haben einen Raum zur Verfügung in dem sie ihre eigene Kunst produzieren und sich austauschen. Darüber hinaus machen sie in diesem Raum wichtige Angebote für die Kinder und Jugendlichen aus ihrem Umfeld. Besonders kümmern sie sich dabei um Jugendliche Mütter und Kinder, die sich in Gruppen zu künstlerischen und kunsttherapeutischen Aktivitäten zusammenfinden. Teilnehmerinnen von Simama haben hier folgende Aktivitäten und Workshops durchgeführt:
die Bemalung einer Aussenwand sowie des Innenraumes des Wajukuu-Gebäudes zusammen mit den dortigen Künstlern und Jugendlichen
den Workshop zur Herstellung von Sprühschablonen und deren Verwendung zum Bedrucken von T-Shirts.
Gruppenspiele zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und des Zusammenhalts einen Workshop zur Herstellung von Armbändern und zur Häkeltechnik aus Plastiktüten einen Workshop zum einfachen Umgang mit dem Laptop, wie beispielsweise das Erstellen von Textdateien und deren Speicherung in Ordnern usw.
Gitarrenuntericht für einen Musiker der Wajukuu-Gruppe mit dem Ziel, dass dieser die Kenntnisse und ‹bungen später weitervermitteln kann.
Rekebisho Center
Das Rekebisho Center ist ein selbstverwaltetes Jugendzentrum im Slum. Hier befindet sich ein einfaches Musikstudio und einige Instrumente für angehende Musiker, ein Fitnessraum, ein Raum zum Malen und zum unterrichten von Kindern sowie ein kleiner Innenhof. Zusammen mit den Künstlern der Rekebisho-Gruppe haben KünstlerInnen aus unserer Gruppe den Innenhof umgestaltet und die Wände bemalt. Ausserdem haben wir dort zum Abschluss unserer Reise eine gemeinsame Abschlussparty mit Konzert organisiert, bei dem die Musiker aus den örtlichen Projekten zusammen mit den Musikern aus der Simama-Gruppe aufgetreten sind und alle mit denen wir während unseres Aufenthaltes zusammengearbeitet haben eingeladen waren.
Unser Aufenthalt wurde von allen Seiten als voller Erfolg bewertet, sowohl von unseren Partnerprojekten als auch von den TeilnehmerInnen unserer eigenen Gruppe, welche größtenteils zum ersten mal in Afrika waren und von den Eindrücken und der positiven Zusammenarbeit mindestens ebenso profitiert haben. Für den Simama e. V. war die Reise sehr wichtig um den persönlichen Kontakt vor Ort und den Einblick in die Projektstrukturen aufrecht zu erhalten und auszubauen. Positiv war darüber hinaus auch, dass sich während unseres Aufenthaltes und unserer gleichzeitigen Zusammenarbeit mit verschiedenen Projekten, der Kontakt zwischen den lokalen Projekten intensiviert hat und wir zur Vernetzung vor Ort beitragen konnten.
Ausblick
Die Nachbereitung der Reise, unserer Arbeit vor Ort, der Erfahrungen und Eindrücke findet während unseren monatlichen Vereinstreffen statt. Die Mitreisenden bleiben dem Verein als aktive Mitglieder erhalten, so dass unsere Arbeit in Deutschland und die Unterstützung unserer Projektpartner vor Ort kontinuierlich weitergehen kann und personell gestärkt wurde. Konkret in Planung sind Informationsveranstaltungen und Ausstellungen der zahlreichen Bilder, welche wir den Künstlern aus den verschiedenen Projekten abgekauft haben. Die Fortsetzung solcher Austauschreisen ist ebenfalls fest im Blick. Ausserdem ist die Idee entstanden, den Austausch auch mal in die andere Richtung zu organisieren und beispielsweise junge Musiker aus den Projekten im Slum nach Deutschland einzuladen. Falls Sie Hinweise für uns haben, wo wir Unterstützung für ein solches Vorhaben bekommen könnten, freuen wir uns über jede Anregung. Abschliessend möchte ich mich im Namen aller TeilnehmerInnen des Workcamps 2010 sowie dem gesamten Simama e. V. noch einmal herzlich für die Unterstützung unseres Projektes seitens des Teams der Inwent gGmbH bedanken und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Nils Andersch
Simama e.V.
